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Forschung


Laufende Projekte:


"Soziophonetische Untersuchungen zum deutschen Multi-Ethnolekt"
(Au 72/27-1)

Promotionsprojekt

Zeitraum: seit 11/2017

Mitarbeiter/innen:
Prof. Dr. Peter Auer (Projektleiter)
Christina Davril, M.A. (Wissenschaftliche Angestellte)
Dr. phil. Daniel Duran (Wissenschaftlicher Angestellter)

Das Ziel des Projekts ist eine systematische soziophonetische und soziolinguistische Analyse der Lautseite multi-ethnischer jugendlicher Sprechweisen.
Mit dem Begriff „Multi-Ethnolekt“ werden seit dem Ende des letzten Jahrhunderts neu entstehende sprachliche Formen bezeichnet, die in bestimmten Gruppen jugendlicher Sprecher und Sprecherinnen mit „Migrationshintergrund“ in zahlreichen europäischen Städten verbreitet sind, inzwischen aber teils auch von ‚autochthonen‘ Jugendlichen verwendet werden. Neben der Bezeichnung „Multi-Ethnolekt“ wurden für diese Sprechweisen in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur unter anderem auch die Begriffe Türkendeutsch (Androutsopoulos 2001), Türkenslang (Auer 2003) und Kiezdeutsch (Wiese 2006, 2012) verwendet. Die Begriffe „Multi-Ethnolekt“ sowie „multiethnische Sprechweisen“, die in diesem Projekt verwendet werden, verweisen hingegen auf die Möglichkeiten, dass dieses sprachliche Phänomen unabhängig vom ethnischen Hintergrund seiner Verwender gebraucht wird und dass es sich dabei möglicherweise nicht um eine relativ stabile sprachliche ‚Varietät‘ handelt, sondern die Einordnung als ‚Stil‘ oder ‚Register‘ (vgl. Auer 2012) treffender sein könnte.
Bisherige Studien zu diesem Thema haben sich vor allem der Grammatik, Lexik und den Diskursstrukturen von Multi-Ethnolekten gewidmet; Untersuchungen zur Phonetik sind hingegen besonders im deutschsprachigen Raum, wo zudem meist nur einzelne lautliche Merkmale multiethnolektaler Sprechweisen quantitativ untersucht wurden, sehr selten.
Da insbesondere die ‚Aussprache‘ für die Selbst- und Fremdpositionierung von Jugendlichen im sozialen Raum von zentraler Bedeutung ist, wendet sich das Projekt diesem bisher vernachlässigten Untersuchungsbereich zu.
Zu diesem Zweck werden Daten von Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren erhoben, die Schulen im Raum Stuttgart besuchen. Im Zentrum der soziophonetischen Analyse stehen zwei Gruppen von Sprechern mit vergleichbarem sozialen und Bildungshintergrund, die in zwei verschiedenen Stadtvierteln (eines mit hohem, eines mit niedrigem Migrationsanteil) rekrutiert werden.
Die Auswahl der Sprecher für die Kern- und Kontrollgruppen (screening) erfolgt mit einem Perzeptionstest, bei dem Gleichaltrige, die Samples möglichst spontaner Sprache der potenziellen Probanden hören, einschätzen, ob ein Sprecher (vermutlich) einen Migrations­hintergrund hat oder nicht. Auf diese Weise ergibt sich eine Kerngruppe maximal multi-ethnolektal sprechender Probanden – theoretisch unabhängig davon, ob tatsächlich ein Migrationshintergrund vorliegt – sowie eine Kontrollgruppe minimal bzw. nicht multi-ethnolektal sprechender Teilnehmer.
Die Aussprache der Probanden wird über eine Reihe von sprachlichen Aktivitäten hinweg dokumentiert, die von maximal kontrollierter Sprache (Vorlesen) bis zu maximal spontaner Sprache reichen. Art und Umfang der Variation relevanter phonetischer Merkmale in diesen Gruppen werden mit akustischen und auditiven Methoden untersucht und die sozialen wie situativen Faktoren identifiziert, die diese Variation beeinflussen.
Überdies werden zum Zweck der soziolinguistischen Interpretation der Daten sowohl situativ-interaktionale Untersuchungen durchgeführt als auch mittels Perzeptionstests die Salienz und attitudale Bewertung multiethnolektaler Sprechweisen erhoben.
Das Projekt wird in enger Kooperation mit einem ähnlichen Projekt zum deutschen Multiethnolekt der Stadt Zürich (geleitet von Prof. Dr. Stefan Schmid, Phonetisches Labor der Universität Zürich) durchgeführt.


"Exklamationen in der Interaktion: Formale, funktionale und visuelle Aspekte"
Mitarbeit als wissenschaftliche Hilfskraft von 02/2016-01/2017

Zeitraum: seit 02/2016

Mitarbeiter/innen:
Dr. Martin Pfeiffer (Projektleiter)
Marina Anna, M.A. (Wissenschaftliche Angestellte)
Julian Ging, Niclas Schwalbe (Wissenschaftliche Hilfskräfte)
Ehemalige Hilfskräfte: Christina Davril, Ramona Geng, Johanna Hantsch, Magnus Strobel

Auf der Grundlage von Videoaufzeichnungen von Gesprächen untersucht dieses Projekt, wie Exklamative (z. B. Wie groß die ist! oder Das ist aber ein schönes Bild!) im interaktiven Kontext von Erwachsenen und Kindern verwendet werden. Das geplante Projekt geht in verschiedener Hinsicht über den aktuellen Forschungsstand hinaus:

1) Es zieht Exklamationen heran, die tatsächlich in Gesprächen verwendet werden (die bisherige Grammatikforschung stützt sich vor allem auf erfundene oder schriftsprachliche Beispiele) und untersucht deren interaktionale Funktion.
2)   Es nimmt die Phonetik von Exklamationen in den Blick, die bislang nur experimentell untersucht wurde.
3)   Es untersucht das Zusammenspiel verbaler und visueller Aspekte (z.B. Mimik, Gestik, Blickrichtung) von Exklamationen.
4)   Es untersucht den frühkindlichen Gebrauch von Exklamationen, zu dem bislang keine Studien existieren.


Forschungsinteressen:

Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt, Variationslinguistik, Soziolinguistik, Phonetik, Phonologie

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